Im Gottesdienst für die Entschlafenen in der Kirchgemeinde Zürich-Hottingen diente Apostel Reto Keller mit dem Bibelwort aus Psalm 31,22 und lenkte den Blick auf Gottes Güte: „Gelobt sei der HERR; denn er hat mir seine wunderbare Güte erwiesen in einer festen Stadt.“ Er erinnerte daran, dass jede gottesdienstliche Begegnung eine reale Gemeinschaft von sichtbarer und unsichtbarer Gemeinde ist: Auch Seelen aus der jenseitigen Welt sind gegenwärtig, und Gottes Wort wirkt in der ganzen Schöpfung. Besonders am Entschlafenen-Sonntag werde dies durch die Spendung aller Sakramente der Kirche deutlich – als Schritt hin zur Vollendung und als Hilfe für suchende Seelen.
Apostel Keller beschrieb Gottes Handeln als universale, rettende Zuwendung. Er verwies auf die Verheißung des Propheten Zefanja, dass Gott als „starker Heiland“ nahe ist, vergibt und sammelt (vgl. Zef 3,17–20). Daraus leitete er ein Bild ab, das den Gottesdienst prägte: die „feste Stadt“. Diese deutete er als Kirche Christi, gegründet auf Jesus Christus (vgl. 1 Kor 3,11) und getragen von der Verheißung der Wiederkunft des Herrn und der kommenden Stadt Gottes (vgl. Hebr 13,14). Die Tore dieser Stadt seien offen: Niemand dürfe ausgeschlossen werden; der Zugang bleibe Gnade. In der „festen Stadt“ finde die Seele Schutz, geistliche Speise und Heilung – „alle meine Quellen sind in dir“ (vgl. Ps 87,7) – und göttlichen Rat für Entscheidungen. So wurde der zentrale Ruf konkret: Wir sind nicht „auf der Flucht“, sondern auf dem Heimweg – hin zur Ewigkeit bei Gott.
In seinem letzten Predigtbeitrag vor der Ruhesetzung griff Priester Walter Gehrig die Leitfrage auf und machte sie persönlich: Menschen planten vieles – warum nicht auch die Ewigkeit? Die Gnade Gottes bleibe entscheidend, doch der Glaube zeige sich in Taten (vgl. Jak 2,17): oft in kleinen Schritten wie Dank, Lob und Vertrauen. Er erinnerte daran, dass Gebete auch dann erhört sein können, wenn die Erfüllung anders ausfällt, als erwartet und wünschte den Seelen in der jenseitigen Welt, dass sie den Ruf hören und den von Christus bereiteten Weg annehmen.
Bischof Rudolf Fässler stellte die Gemeinde als Zeugen an den Toren der Stadt Gottes dar. Für suchende Seelen könne die „feste Stadt“ zunächst bedrohlich wirken – tatsächlich eröffne sie aber Freiheit, weil sie Heil und Zukunftsperspektive schenkt. Er verband dies mit dem Blick auf die Vergangenheit: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (vgl. Ps 103,2) – und zugleich: „Vergiss, was dahinten ist“ (vgl. Phil 3,13). In der festen Stadt dürften Reue, Versöhnung und Vergebung durch die Sakramente Raum gewinnen, damit die Zukunft im Glauben gestaltet werden kann.
Am Übergang zum sakramentalen Teil betonte Apostel Keller: Zur Güte Gottes gehört Gnade – in der Stadt Gottes gibt es Vergebung, weil einer – Jesus Christus – alles auf such genommen hat. Er erinnerte außerdem an die weltweite Verbundenheit an diesem Sonntag: Der Entschlafenen-Gottesdienst im Bezirksapostelbereich werde in Chișinău (Moldawien) gehalten, der Stammapostel diene zeitgleich in Freetown (Sierra Leone).
Chorgesang und Orchester trugen die Feier in gottesdienstlicher Würde und vertieften die von Fürbitte und Zuversicht geprägte Gemeinschaft an diesem besonderen Sonntag. Zum Ende des Gottesdienstes folgten die Ruhesetzungen eines Diakons und eines Priesters. Apostel Keller dankte dem Diakon für seinen aus Überzeugung gelebten diakonischen Dienst und bat darum, dass sein Wesen darin weiterwirken möge. Den Priester würdigte er für über vier Jahrzehnte treuen Dienst in Seelsorge, Unterricht und Gemeindedienst und hob besonders seinen geistlichen Tiefgang hervor. Mit Dank und Segen wurde er in den Ruhestand versetzt; sein Amt bleibt, der Auftrag endet – sein priesterlicher Dienst und sein Vorbild soll weiterwirken. Beiden gab er 1. Korinther 15,58 mit: „Seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn.“